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| Es gibt wohl keine Epoche der Menschheit, in der Fortschritt nicht von den einen hektisch begrüßt, wie von den anderen vehement abgelehnt wurde. Das gilt auch für die Schifffahrt, einem Verkehrs- und Sportzweig, der, von unzähligen Traditionen geprägt und belastet, wie kein anderer dem Fortschritt unterworfen ist. Als die kaiserliche Marine längst kein Kriegschiff unter Segel mehr besaß, wettete ein aktiver Admiral mit dem technikbegeisterten Kaiser Wilhlem II., daß in 20 Jahren alle Schiffe der Marine wieder Segeltakelage führen würden. Klar, daß der Admiral diese Wette verlor. Sie zeigt aber deutlich die einander stets bekämpfenden Denkrichtungen. Traditionen standen dem Fortschritt - nicht nur in der Marine - stets hemmend gegenüber. Man denke nur an die Einführung der Dampfkraft in der britischen Marine in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts. Allenfalls zum Schleppen der (Segel-) Schiffe, selbst im Gefecht, geeignet, war die vernichtende Meinung der Admiralität. Oder die zögernde und späte Übernahme der von Argand, Fresnel und Linoir in Frankreich entwickelten Techniken zur Verbesserung der Leuchtfeuer durch die Briten. Englische Segelschiffskapitäne weigerten sich auch, Wetterlogbücher zur Routenverbesserung zu führen, obwohl dieser "Fortschritt" zu schnelleren und sicheren Reisen führte. Klar, daß zeitgemäße soziale, hygienische und sicherheitsrelevante Einrichtungen, nicht zuletzt brauchbare Schwimmwesten, bei den Marinen fast aller Länder spät eingeführt wurden. Inzwischen haben allerdings hoher Kostendruck und erbarmungsloser Wettbewerb auf den Weltmeeren dazu geführt, daß in der Handelsschifffahrt zwar moderne Technik die Konkurrenzfähigkeit sichert, Löhne, Sozialverhältnisse und Sicherheit der Besatzungen aber wieder klein geschrieben werden. Fortschritt? Jedem offenkundig hat sich auch und gerade der Segelsport gewandelt. Man braucht beim Vergleich gar nicht in dessen Anfangszeiten zurückzugehen, sondern vergleiche nur einmal die Yachten der 60er Jahre mit den heutigen Rennmaschinen. Schnell sieht man, was sich in den wenigen seitdem vergangenen Jahrzehnten getan hat. Abgesehen von Baustoffen und Fertigungsmethoden blieb fast kein Detail vom Fortschritt unberührt. Unsere Väter würden sich sehr wundern, wenn sie sehen könnten, wie und womit wir heute navigieren. Sextanten, Chronometer und Tafeln haben kleinen, schwarzen Kästen Platz gemacht, die auf Knopfdruck weit mehr und genauere Werte ausspucken als ein normales Seglerhirn verarbeiten kann. Die Messingpetroleumlampe aber kann kaum noch einer richtig warten. Traurig pendelt sie in der Kajüte als letztes Relikt einer Tradition, die, seien wir ehrlich, auch im Segelsport längst passé ist. Traditioneller Bootsbau und die Pflege klassischer Holzyachten wurde zum spleenigen Hobby einer belächelten Minderheit, die selbst aber jedes elektronische Spielzeug an Bord hat. Die Mehrheit fährt heute Boot wie Auto - schnell, modern, bequem und rücksichtslos. Mancher motort im Jahr mehr Seemeilen als er segelt. Nun hat der Fortschritt wieder einmal zugeschlagen. Schnellfähren flitzen mit 35 Knoten und mehr durch das Feld der weißen Segel und erregen das Gemüt der Hüter der Tradition. Tragflächenboote, Hoovercrafts und Katamarane werden nach den britischen und skandinavischen Gewässern jetzt spät aber mit steigender Tendenz unsere Küsten, Buchten und Flußmündungen heimsuchen. Der Segler gebärdet sich als traditionsbewußt und ist empört. Doch die Empörung wirkt im Zeitalter unseres fortschrittlichen und schnellen Sports inzwischen schlicht unglaubwürdig. Einem Segler, der bei günstigem Wind motort, um die Filets in seiner Tiefkühltruhe auf Temperatur zu halten, oder der im Hafen zuerst einen "schwarzen" Festmacher an Land bringt, um eine Mikrowelle zu betreiben, wird man fortschrittskritischen Protest nur schwerlich abkaufen. Ebensowenig wie das Bekenntnis zur Tradition an Bord unbewohnbarer Hochleistungsrennmaschinen. Wir können nicht jeden Fortschritt für uns in Anspruch nehmen, bei anderen aber verurteilen. Im Segelsport, in der Berufsschifffahrt wie auch im Naturschutz darf es ein "die anderen müssen weg" nicht geben. Berechtigt ist allein die Sorge um ein verträgliches, das bedeutet im Falle der Schnellfähren in erster Linie um ein sicheres Miteinander. Dafür können und werden wir uns einsetzen. Für mehr nicht, aber auch nicht für weniger. (Mit freundlicher Genehmigung: Jürgen Chr. Schaper, Kommodore des SVAOe) Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Oder haben Sie einen eigenen Beitrag zum Thema Wassersport für uns? Wir freuen uns über eine Resonanz von Ihnen per Fax oder e-mail. |
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