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| Über Bord und ertrunken Unter dieser Überschrift wies die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung wiederholt auf mehrere tödliche Unfälle schon zu Beginn der Segelsaison hin, bei denen jeweils der Schiffsführer der Yacht über Bord ging und ums Leben kam, da er von dem/der an Bord verbliebenen Mitsegler/in nicht wieder geborgen werden konnte. Der Unfallhergang war fast überall derselbe: Der Mann wurde bei der Arbeit an Deck bzw. auf dem Vorschiff durch Seegang oder schlagende Segel über Bord geworfen und konnte von der Ehefrau nicht gerettet werden, da sie die entsprechenden notwendigen Manöver nicht beherrschte. So jedenfalls nach den Berichten der Bundesstelle. Richtiger hieße es wohl: Weil sie gar nicht in der Lage war, alle erforderlichen Maßnahmen auf einmal richtig auszuführen. Denn Hand aufs Herz: Welche Ehefrau kann schon das Schiff bei schlechten Wetter allein zunächst an den Unfallort zurückbringen, um dort den über Bord Gegangenen aufzufinden und wieder an Deck zu holen? Es gibt inzwischen zwar eine Menge tüchtiger Seglerinnen, die ein Schiff gut beherrschen. Aber jeder Segler, ob Mann oder Frau, hätte im Ernstfall vieles zu gleicher Zeit zu tun: Eine Rettungsweste und andere Gegenstände über Bord werfen, den Unfallort im GPS markieren oder sofern an Bord - das digitale Alarmsystem auslösen, das Schiff unter Segel an die Unfallstelle zurückmanövrieren oder die Segel bergen und das Schiff unter Motor dorthin zurückfahren, dabei den über Bord Gegangenen ständig im Auge behalten, optische Notsignale geben und gegebenenfalls andere Fahrzeuge auf den Vorgang aufmerksam machen, den Seenotrettungsdienstes oder anderer Fahrzeuge mittels Funkgerät oder Mobiltelefon alarmieren. Und am Ende dann - wenn es tatsächlich gelingt, die Unfallposition wieder zu erreichen - dort eine inzwischen geschwächte Person sichern und sie mit dem zusätzlichen Gewicht durch nasse und schwere Kleidung an Bord holen. Damit dürfte jede einzelne Person an Bord ohnehin überfordert sein. Aus diesem Grund nützt es deshalb meines Erachtens nur wenig, dass sich die Besatzungsmitglieder, durch Einpauken aller Maßnahmen und häufiges praktisches Üben auf den Ernstfall vorbereiten. Es macht daher auch wenig Sinn, ständig Unfallberichte abzudrucken, da sie nach meiner persönlichen Meinung in ihren Folgerungen viel zu theoretisch und daher in der Praxis wenig hilfreich ist. Die darin enthaltenen Sicherheitsempfehlungen und Maßnahmen zur schnellen Rettung eines über Bord Gefallenen betreffen zumeist Fahrzeuge mit mehreren Personen an Bord und sind, wie erwähnt, für eine an Bord zurückgebliebene, unter Umständen in Panik geratene einzelne Person gar nicht durchführbar. Ihr einziger Wert liegt in der Sensibilisierung für dieses Problem. Was wir können, ist auf die große Gefährdung ungesicherter Personen an Bord schwach bemannter und zudem extrem hochbordiger Yachten immer wieder aufmerksam zu machen. Schließlich ist es auch wichtig und empfehlenswert, den Notfall immer wieder zu üben. (Aber leider: Wer tut das schon?) Lernen wir also aus den Unfällen nichts? Ich denke doch. Ob man nun eine Schwimmweste trägt oder nicht: Viel wichtiger als die Kenntnis der einzuleitenden Maßnahmen ist nach meiner Ansicht vor allem eins: Eine Person darf gar nicht erst außenbords gehen! Was nützten die schönsten Manöver und die besten Schwimmwesten, wenn der oder die über Bord Gefallene bei einer frühjahrsbedingten Wassertemperatur von 12° durch Unterkühlung stirbt bevor sie oder er im günstigsten Fall wieder an Bord genommen wird? Weitaus besser als eine Schwimmweste ist nach meiner Meinung deshalb der Sicherungsgurt. Eine Schwimmweste ist eigentlich nur beim Segeln dort, wo schnell ein Ufer oder eine nahe Küste schwimmend erreicht werden kann oder auf stark befahrenen Gewässern, auf denen sehr schnell Mithilfe zu erwarten ist, sinnvoll. Auf hoher See nützt sie nach dem oben Gesagten nichts. Das Anlegen der sowieso in weiten Kreisen unpopulären Schwimmweste mag gerade bei kleiner Besatzung zwar eine zusätzliche Sicherung bedeuten, vermittelt aber eher ein falsches Gefühl von Sicherheit, behindert darüber hinaus auch die Bewegung an Deck und begünstigt dadurch das Überbordfallen bei der Vorschiffsarbeit. Geradezu lebenswichtig ist es deshalb, dass sich alle anleinen, dass sich überhaupt niemand ohne angeleint zu sein, an Deck bewegt! Ein Thema, über das in der segelnden Öffentlichkeit ungern gesprochen wird ist das Pinkeln über Reling, Bug- oder Heckkorb. Es ist aber leider eine Tatsache, dass viele Männer bekanntlich beim Pinkeln über Bord fallen, mit unklaren Hosen nicht schwimmfähig sind und von dem/der an Bord Gebliebenen nicht aufgefischt und an Bord genommen werden können. Es ist zwar sicherer, die Bordtoilette oder eine Pütz zu nehmen, aber bei schwerem Wetter bereiten auch diese beiden Möglichkeiten Probleme. Ich habe dann auch schon mal ins ständig durchflutete Cockpit gepinkelt. Das Relingspinkeln wird man den Kerlen nicht abgewöhnen können. Aber bitte: Nur mit Sicherungsleine! Die Sicherungsleine muss generell so kurz wie möglich eingepickt werden, so dass man gar nicht erst ins Wasser fällt, denn es dürfte für den Partner schon sehr schwierig sein, jemand wieder an Deck zu holen, es sei denn, man hat ein sehr flachbordiges Schiff oder eine fest angebaute und gut erreichbare Badeleiter, die, solange der über Bord Gefallene noch bei Kräften ist, von Nutzen ist. Besonders bei älteren Menschen tritt schnell Unterkühlung ein. Außerdem ist mit Schock oder Panik zu rechnen. Hierüber ist genug geschrieben und gesagt und ungern auch gelesen, angehört und selten verinnerlicht worden. Nochmals also mein eindringlicher Appell: Leinen Sie sich an! Ich benutze viel lieber den Lifebelt als die Schwimmweste, denn meine Frau kann mich - auch nach inzwischen 50jähriger eigener Segelpraxis weder wieder finden noch einsammeln. Kann Ihre das? Quelle: Jürgen Chr. Schaper Kommodore SVAOe Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Oder haben Sie einen eigenen Beitrag zum Thema Wassersport für uns? Machen Sie mit - Ihre Meinung interessiert alle ! Wieder zum Seitenanfang |
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